Konsumdiät: Fazit

So, ein Jahr Konsumdiät ist hiermit rum.

Dreimal hab ich mir trotzdem was gekauft, dazu später.

Es war – ehrlich gesagt – ein bisschen langweilig.

Meine „Erleuchtungen“ kam hauptsächlich in den ersten zwei Monaten:
Mach keine Merkzettel! Anfangs hab ich mir noch alles mögliche aufgeschrieben, was ich nach Experiment-Ende dann so nach und nach erwerben wollen würde. Schwachsinn. Entweder es ist mir wichtig genug, dass ich es auch nach X Monaten noch im Kopf habe – oder es war zu unwichtig und die Anschaffung eh nicht wert.
Ähnliches gilt für Schnäppchen: Kauf nichts, was dir vor die Füße läuft, und sei das Angebot noch so gut. Entweder ist man bereit, den vollen Preis für etwas zu zahlen – oder man braucht es doch nicht unbedingt. Wenn man sich zu einem Kauf entschlossen hat, kann man natürlich mal in drei Geschäften oder auf vier Webseiten nachschauen, ob es irgendwo günstiger ist. Aber die Entscheidung zum Kauf muss schon vorher, unabhängig von Schäppchenpreisen gefallen sein.
Bekräftigt durch Jacob habe ich desweiteren beschlossen, konsequenter qualitativ hochwertigere Ware zu kaufen. Bei den Preisen, die einem da entgegenschlagen, überlegt man sich bei vielem gleich zwölfmal, ob man das wirklich braucht :D
Alles naheliegend oder?

Ich hab natürlich trotzdem regelmäßig noch Musikonlinehändler durchsurft, auf der Suche nach Alben, die ich schon länger wollte, und die zusammen preislich genau über den Mindestbestellwert kommen um mir das Porto zu sparen – aber auch nicht mehr. Nach einer halben Stunde schaltete sich dann regelmäßig eine Stimme dazu: Kim, mach die Tabs zu, du kaufst doch gar nichts!

Gegen die selbstgesetzten Regeln verstoßen habe ich dreimal:
1) Im Oktober war ich gerade bei Mel McGyver zu Besuch, als ich ans Sterbebett meiner Oma gerufen wurde. Für eine Beerdigung hatte ich natürlich nicht eingepackt, als ich zu meinen Freunden fuhr :-/ Ein Kleid konnte ich mir noch leihen, Schuhe hab ich gekauft. Im Sinne der Diät hätte ich mich ja freiwillig 7h in den Zug gesetzt, um bei mir Zuhause schwarze Sachen zu holen. Aber in dem Moment ging es nicht um mich und meine Experimente, sondern um meine Familie. Da war meine Priorität, bei ihnen zu sein. Die Entscheidung bereue ich nicht.
2) Außerdem hab ich ein Gerät gekauft, was ich für meine „Zweitausbildung“ brauche. Ich hätte theoretisch auch bis April ohne das Gerät arbeiten können. Allerdings hätte ich dann nicht gewusst, welche Fehler an meinem fehlenden Können liegen, und welche daran, dass ich ohne das Gerät meine Arbeit nicht ordentlich kontrollieren kann. Vier Monate Zeit in der Ausbildung zu verlieren war mir die Konsumdiät nicht wert.
3) Der letzte Verstoß war tatsächlich ein dämlicher. Das Teil, was ich unreparierbar geschrottet hatte, brauchte ich zwar dringend ersetzt – hätte es aber wohl auch bei einer der diversen Verschenk- und Tauschgruppen finden können. Der Gedanke kam mir an dem Tag gar nicht. Echt blöd.

Gelernt: den Übersprungskaufreflex hab ich offenbar halbwegs unter Kontrolle bekommen. Aber wenn ich mich dazu entscheide, ein Teil zu adoptieren, muss ich noch lernen, erst regelmäßig alternative Wege wie Second Hand zu erkunden.

Das war’s dann auch schon.

Im Endeffekt fand ich die Konsumdiät so einfach und frei, dass ich sie in lockerer Form weiterführen möchte. Zwar werd ich mir sicher wieder Sachen kaufen, aber gerade so Sachen wie CDs und Büchern will ich mir weiterhin nur zu Weihnachten und zum Geburtstag wünschen.

Zero-Waste. Zero Durchblick.

Nach meiner gestrigen Ankündigung, mit Zero-Waste experimentieren zu wollen, habe ich reflexartig erstmal bei Wikipedia vorbeigeschaut. Schnell stieß ich auf die „Waste Hierarchy“ (Abfall- / Verschwendungshierarchie). Im Grunde besagt die Zero-Waste Philosophie: Versuche, so weit nach oben in der Pyramide zu klettern wie möglich.

Quelle: Wikimedia Commons (User: Drstuey)

Quelle: Wikimedia Commons (User: Drstuey)

Darauf habe ich mich erstmal gefreut, da meine Variante des grünen Minimalismus auf Verzicht und Qualität setzt. Gedanklich halte ich mich also schon in den oberen Pyramidenetagen auf: „Brauche ich Teil XY überhaupt?“ Und wenn ja: „Wo bekomme ich Qualitätsware, die nicht kaputt geht, bzw. bei der es sich lohnt, sie zu reparieren?“ Ganz im Sinne des Zero Waste!

Als nächsten Schritt hatte ich mir überlegt, aus den untersten zwei Stufen gänzlich auszusteigen. Nur noch Altpapier, Biomüll, Grünen Punkt, Altglas verursachen. Auf meinem Einkaufszettel standen für gestern auch nur ein paar Alnatura-Einkäufe (Fünf-Korn Mischung, ungesüßte Cornflakes und Reiswaffeln, um genau zu sein). „Für Tag 1 erstmal ein unproblematischer Einkauf!“ Wie naiv man doch sein kann… [Weiterlesen]

Die 100 Thing Challenge

Woher sie kommt, was sie will, wie sie funktioniert – und warum manche sie hassen.

Die 100 Thing Challenge hilft

Genauso verschieden wie die Motivationen zur Besitzreduzierung und die gesetzten Prioritäten von Minimalisten sind, so unterschiedlich sind auch unsere Wege, einen minimalistischen Lebensstil zu erreichen. Ein Trend, dem David Bruno 2008 einige Berühmtheit verschaffte, ist die “100 Thing Challenge”. Dies war auch mein erster Kontakt mit der Bewegung: Vor ein paar Monaten verwies eine Bekannte auf einen TIME Magazine Artikel mit dem Titel “How to Live With Just 100 Things”. Das klang irgendwie cool. Nach aus dem Rucksack leben und frei sein.

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